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MAZ, November 2011 | Von Stefan Blumberg
Er trainiert und trainiert und trainiert
Bernd Karwinkel ist seit 40 Jahren Übungsleiter in Oranienburg
Die Pokale auf der drei Meter breiten Schrankwand türmen sich. Große, mittlere, kleine. Verzierte, schlichte, ausgefallene.
"Das sind nur die, die wir nach der Wende gewonnen haben", sagt Bernd Karwinkel. Rein rechnerisch hätten es demzufolge
doppelt so viele sein können. Bernd Karwinkel ist seit 1971 Trainer, seit 40 Jahren.
"Ich habe viele Übungsleiter,
Trainer und Betreuer kommen und vor allem gehen sehen." Er ist immer geblieben, immer bei den jüngsten Oranienburgern.
Zu DDR-Zeiten bei Stahl, nach der Wende bei der SG Eintracht, mittlerweile beim OFC Eintracht. "Man kann die Kinder in dem
Alter gut leiten. Ich glaube, sie verstehen meine Sprache", so der Trainer-Oldie, der auch laut werden kann. "Das ist meine Art,
zu motivieren."
Mit 17 Jahren stand Bernd Karwinkel das erste Mal vor einer Nachwuchsmannschaft, gemeinsam mit Ede Walter
kümmerte er sich um die Knaben, stärkte den Nachwuchsbereich. "Ich bin durch die Schulen gegangen, habe an der Comeniusschule
eine Arbeitsgemeinschaft geleitet, für die Nachwuchsgewinnung." Es stellte sich in Oranienburg alsbald ein, dass der Verein
in den jungen Jahrgängen - damals fingen die Spieler mit etwa neun, zehn Jahren an, heute mit sechs - jeweils zwei Mannschaften
in den Spielbetrieb schickte. "Das war unser Erfolgsrezept", ist sich Bernd Karwinkel sicher und verweist auf die gute Qualität
des OFC-Nachwuchses.
Im Laufe der Jahre hat sich einiges geändert. So beobachtet der Coach, dass die Kinder gut informiert sind
über ihr Ligageschehen. "Sie kommen nicht nur aus Spaß dreimal in der Woche zum Training. Sie wollen schließlich gewinnen."
Karwinkel konstatiert aber auch, dass das Klima auf dem Spielfeld rauer wird. "Gerade die Schiedsrichter werden permanent
beleidigt. Das, was von draußen kommt, vor allem von Eltern, geht häufig unter die Gürtellinie."
Im Laufe der Jahre gingen
viele Oranienburger Fußballer durch die Schule von Bernd Karwinkel. Zwei, die es sehr weit gebracht haben, sind Alexander
Walke (Profi bei RB Salzburg) und Marcus Mlynikowski (bei Werder Bremen unter Vertrag). Bei Karwinkel trainierten auch
schon Marcus’ Papa Mike Mlynikowski oder Ronny Papenbrock, Norman Poews, Stephan Lißner sowie Damian und Julian Karpowicz.
Sebastian Knaack, heute Spieler der Ersten, ist auch ein Ehemaliger. "Wir waren damals im Trainingslager in Uckley. Er war
fünf Jahre alt. Als seine Eltern überraschend auftauchten, fing er an zu weinen. Erst als sie wieder wegfuhren, beruhigte er
sich. Das sind solche Momente, die man nie vergisst", sagt der Trainerjubilar, der auf ein weiteres Highlight verweisen kann.
Derzeit trainiert ein Enkelkind unter ihm: der sechsjährige Emil.
Obwohl der 58-Jährige seit einiger Zeit in Liebenthal wohnt,
dachte er nie an einen Vereinswechsel. "Oranienburg ist groß, Oranienburg hat Potenzial, ich bleibe."
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