Die Kurzchronik des Vereins
Die erste Mannschaft 1919

27. März 1901, drei Oberschüler beschließen mit weiteren Oranienburger Jugendlichen eine "Vereinigung um das Fußball-Spiel nach ordentlichen Regeln zu pflegen" zu gründen.
Über 100 Jahre Fußball in Oranienburg bedeutet wechselvolle deutsche Geschichte. Von Kaiserreich, erstem Weltkrieg, über die Weimarer Republik, Nationalsozialismus und zweitem Weltkrieg, über 40 Jahre DDR bis hin, zum wiedervereinigten Deutschland, jede dieser Epochen prägte auf seine Weise auch den Sport, seine Möglichkeiten und Grenzen.
Nach der Gründung des Vereins



"Oranienburger Fußball - Club Oranien,
gegründet 27. März 1901"



am 1. Mai 1901 im Restaurant "Louisenbad" (später Havelschlößchen), konnten die ersten Aktivitäten zwischen "Pankow und dem Ostseestrand" organisiert werden. Auf Grund aufkommender Rivalitäten zu den bereits bestehenden sportlichen Betätigungsfeldern in Oranienburg, wie Radfahren und Turnen, stießen die Aktivitäten der Fußballer auf unver-hüllte Ablehnung in großen Teilen der Bevölkerung. Trotz diverser Wiederstände trat aber auch in Oranienburg der Fußball-Sport, wie in ganz Deutschland, seinen unaufhaltsamen Siegeszug an.
Die ersten Spiele, ausschließlich gegen Berliner Vereine, fanden auf der Kurthschen Wiese an der Havel statt. Der erste Fußballsieg gelang am 18. Januar 1902 gegen "Corso" Berlin, die Aufnahme in den Deutschen Fußballbund erfolgte am 1. Oktober 1904. Aus der ersten Phase der Geschichte sollen hier noch einige Fakten erwähnt werden: Auf Grund kommu-nalen Drucks mussten Passagen aus der Satzung gestrichen werden, die die Aufnahme von Juden verbot. Als "Ergänzungssport" wurde Leichtathletik, Tennis und Faustball betrieben. Um bestehende Finanzprobleme zu bewältigen wurden 1911 Wertpapiere auf den Verein ausgegeben. Bis 1912 bestritten die Oranienburger Fußballer weit über 100 Spiele und konnten auch das 100. Vereinsmitglied registrieren.
1913 wird der Verein "SC Eintracht 1913" gegründet und steht in Konkurrenz zum OSC Oranien. Die rasante Entwicklung des Sports in Oranienburg wurde, wie in ganz Deutsch-land und Europa, vom 1. Weltkrieg jäh unterbrochen. Der Verein hatte über 30 Tote zu beklagen, viele kamen als Versehrte Heim. Die Jahre zwischen dem 1. und dem 2. Welt-krieg wurden zum Wiederaufbau genutzt. Der Verein war 1920 mit 227 Mitgliedern der größte in Oranienburg, Spielstätte war der "Hammelplan", nahe der Kremmener Bahn.





Die erste Mannschaft 1919

Die "goldenen 20er" wurden zu sportlichen Erfolgsjahren. Oranienburg bringt u.a. Fußball-größen wie Herbert Radecke heraus, der 1930 und 1931 mit Hertha BSC Berlin Deutscher Meister wird.
1926 zählt der Verein über 300 Mitglieder, aber Weltwirtschaftskrise, Inflation sowie die um sich greifende Arbeitslosigkeit fordert auch im Vereinsleben seinen Tribut. Anläßlich der 700 Jahr Feier Oranienburgs im Jahr 1932, konnte eine gemischte Mannschaft innerhalb einer Woche Hertha BSC Berlin und Tennis Borussia Berlin zu Freund-schaftsspielen empfangen. Der OSC Oranien verlor beide Spiele, 0:7 gegen Hertha und 0:6 gegen TeBe.
Am 29. August 1933 fusionieren die beiden, bis dahin konkurrierenden Vereine
"OSC Oranien 1901" und "Eintracht 1913" unter dem Namen:  "Sportclub Oranien - Eintracht e.V. gegründet 1901".
Jüdische Sportler dürfen ab sofort nicht mehr in den Verein aufgenommen werden. Zwi-schen 1936 und 1940 wird der Verein 5 mal Vizemeister der Kreisliga Barnim. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden alle wehrfähigen Sportler eingezogen, so dass der Wettkampf- und Vereinsbetrieb eingestellt werden musste. Nach der Zerschlagung der Naziregimes wird am 17.12.1945 der Verein, wie viele andere in Deutschland von den Alliierten aufgelöst. In der Folgezeit gründet sich die "SG Eintracht Oranienburg".
1951/52 spielt die erste Mannschaft in der Bezirksklasse Berlin und belegt den 4.Platz. Die folgenden Spielzeiten bis 1964 werden in der Bezirksliga Potsdam bestritten, die beste Pla-zierung gelang dabei im Spieljahr 1961 mit einem 5.Platz. In dieser Saison konnten 82 Tore erzielt werden. Die Umbenennung der "SGE" in "BSG Einheit Oranienburg" erfolgte 1959. Von 1964 bis 1974 spielte der Verein in der Bezirksliga Berlin. 1969 erfolgte eine erneute Umbenennung des Vereins in "BSG Stahl Oranienburg". Trägerbetrieb für den Verein ist das Oranienburger Kaltwalzwerk.
Die Siebziger und Achtziger Jahre können wohl mit Fug und Recht als die erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte bezeichnet werden: In 18 Spieljahren war die "Erste" immer unter den besten Acht. Die Elf wurde Bezirkspokalsieger und Teilnehmer am FDGB-Pokal. Der Verein mit seiner 1. Mannschaft wird 3 x Staffelsieger der Bezirksliga Potsdam (dritt höchste Spielklasse) und scheitert erst in den Relegationsspielen am Aufstieg.



Die erste Mannschaft 1919

In der Zeit der politischen Wende und des gesellschaftlichen Umbruchs, die mit der staatlichen Wiedervereinigung ihren Höhepunkt fand, wurde die BSG Stahl wieder zur "SG Eintracht Oranienburg e.V." umbenannt.
Die Entwicklung neuer Strukturen und die Veränderungen in organisatorischer und sport-licher Hinsicht ließen zu dieser Zeit erst erahnen welche Probleme, aber auch Möglich-keiten die neue Gesellschaft mit sich bringen würde. Aus der gut behüteten und sorglosen Zeit, die einher ging mit einem großen Maß an staatlicher Obhut, wurden fortan marktwirt-schaftliche Fähigkeiten gefragt. Vokabeln wie Sponsoring und Werbung, aber auch, Hand-gelder, Ablösesummen und Aufwandsentschädigungen bestimmten von nun an die Lei-tungstätigkeit um den Spielbetrieb zu sichern. Allen Widrigkeiten zum Trotz überstand die Eintracht diese Phase gut. 1991 belegte die Mannschaft den ersten Platz in der Bezirksliga und stieg im zweiten Jahr in die neu geschaffene Verbandsliga auf. Trainer dieser erfolgreichen Zeit war das Urgestein K.P. Müller, der mit über 600 Pflichtspielen den unangefochtenen Rekord hält.
Oranienburg stabilisierte sich nach zwei schweren Jahren sportlich und bestimmte das Niveau der höchsten Spielklasse mit. Dem interessierten Publikum konnten viele Höhepunkte geboten werden. Freundschaftliche Vergleiche mit den Bundesligaclubs 1. FC Saarbrücken, Hertha BSC, MSV Duisburg und Hansa Rostock machten Appetit auf höhere Ziele, wie das Pokalspiel gegen den heutigen Bundesligisten Energie Cottbus. Die zielgerichtete Nachwuchsarbeit wurde zu keiner Zeit vernachlässigt, sondern ständig ge-fördert.
Gemeinsam mit der Vielzahl engagierten Eltern, ohne die das Erreichte nicht möglich wäre, gelang es den unermüdlichen Trainern, Helfern und nicht zuletzt auch Sponsoren die Nachwuchsabteilung der Eintracht zu den größten und erfolgreichsten im Land Branden-burg zu machen. In allen Altersklassen sind unsere jungen Kicker auf Landesebene vertreten, mit den A-, B-, C-., D.- und E.- Junioren sogar in den jeweils höchsten Ligen. Mit Alexander Walke stand ein Oranienburger Gewächs im Profikader von Werder Bremen. Neben dem sicherlich wichtigen Leistungsgedanken ist die zweite tragende Säule in unserer Nachwuchsarbeit, die Betreuung begeisterter Kinder und Jugendlicher. Unsere Nachwuchsabteilung zählt derzeit ca. 300 Mitglieder. Quantität und Qualität gehen Hand in Hand.
Einen Tiefpunkt hatte der Verein im Jahre 2004 zu überstehen. Die SG Eintracht stand vor der Zahlungsunfähigkeit, sodass ein Weg gefunden werden musste, den Traditionsverein zu erhalten. Gemeinsam mit dem Brandenburger Fußball-Verband fand man eine Lösung im Rahmen der Statuten und des Regelwerks: Die Fußballabteilung der SG Eintracht trat aus dem Verein aus und konsolidierte sich zum "Oranienburger FC Eintracht 1901 e.V.". Somit konnte der neu entstandene Verein die rechtliche Nachfolge antreten und die lange Oranienburger Fußballtradtion fortsetzen.
Wenn wir heute zurückblicken, können wir stolz sein, auf die Pioniere des Fußballsports in unserer Stadt. Jeder hat zu seiner Zeit, an seinem Platz und nach seinen Möglichkeiten mit viel Idealismus die Entwicklung des Fußballsports in Oranienburg mitgestaltet.



Oranienburger Zeitung, 06.10.2011

Historie 110 Jahre Fußball in Oranienburg:
Hertha brachte den Ball ins Rollen

Um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert war das Fußballspielen in Oranienburg unbekannt. Bedingt durch die Nähe zur Hauptstadt Berlin erfuhr jedoch der eine oder andere, dass eine neue Sportart von sich reden machte. Zunächst spöttisch mit den Worten kommentiert: "Da jagen 20 Männer einem Ball hinterher, es ist nur ein Bolzen und Holzen." Die Mehrzahl der Bevölkerung und auch die Behörden lehnten zu dieser Zeit das Fußballspielen ab. Dennoch erteilte die städtische Behörde die Genehmigung, dass im Spätsommer 1900 auf dem Gelände neben dem Restaurant "Strandhalle" am Lehnitzsee ein Werbefußballspiel von Hertha BSC Berlin stattfinden durfte. Das war der Anlass, um am 27. März 1901 unter dem Dach des "Fussball-Clubs Oranien 1901" eine lose Schülermannschaft zu gründen.

Diese trat am 1. Mai 1901 zum erstenmal öffentlich in Erscheinung. Damit war der erste fußballspielende Sportverein nördlich von Berlin aus der Taufe gehoben. Mit zwei Schülermannschaften nahm die Sektion Fußball des Fussball-Clubs Oranien am 1. Oktober 1901 den Spielbetrieb mit ausschließlich Berliner Mannschaften auf. Im Verlaufe des Jahres 1902 schufen sich die Mitglieder einen eigenen Sportplatz in der damaligen Berliner Allee. Grasbüschel, Schlacke und Sand und selbst angefertigte Holz-Tore waren der Anfang. An ihrem 50. Spieltag am l0. April 1904 machten sich die Fußballer ihr eigenes Geschenk. Sie besiegten den SC Concordia Velten mit 12:1. Im selben Jahr wurden sie Mitglied im Deutschen Fußballbund. Im Sommer 1905 präsentierte sich die Sektion Fußball mit einem neuen Vereinsnamen. Er lautete: Sport-Club Oranien 1901. Die Mitgliederzahl erhöhte sich auf 70.

Im Jahre 1913 kam es zur Bildung eines zweiten Fußballvereins in der Stadt. Er gab sich den Namen: Oranienburger Fußball-Club Eintracht 1913. Der Wirkungsbereich: Oranienburg-Neustadt. Diese guten Anfänge wurden durch den ausbrechenden Ersten Weltkrieg zunichte gemacht. Fast ein Drittel der Männer der Fußballmannschaften verlor im Krieg ihr Leben, ebenso viele konnten durch gesundheitliche Schäden niemals Fußball spielen. Einen Neubeginn gab es erst im Jahre 1920. Der Sport-Club Oranien 1901 entwickelte sich zum mitgliederstärksten Sportverein in der Stadt. Sieben Fußballmannschaften nahmen ab 1926 regelmäßig am Spielbetrieb teil. In diesen Jahren kam es auch zur Errichtung eines neuen, modernen Sportplatzes. Obwohl die Sportler einen Standort am Lehnitzsee für günstig hielten, entschied sich die Stadtverwaltung für den Standort nördlich des Schlosses von Oranienburg (wo er auch heute noch ist).

Manch Oranienburger Fußballer wechselte im Verlauf der Jahre seinen Verein. Einer soll an dieser Stelle besonders gewürdigt werden. Sein Name: Herbert Radecke, er ging zu Hertha BSC. Er gehörte zur Siegermannschaft, welche 1930 und 1931 deutscher Fußball-Meister wurde. Jeder Spieler der damaligen Siegermannschaft erhielt eine Geldprämie von 100 Reichsmark. Die Oranienburger Fußballer freuten sich gemeinsam mit den Herthanern über ihren Sieg. Sie waren stolz auf ihren Herbert. Auch andere Sportfreunde wechselten im Lauf der Jahre zu Hertha nach Berlin. Im August 1933 kam es zur Vereinigung beider Fußballvereine. Ihr neuer Name lautete fortan: "Sportclub Oranien-Eintracht gegründet 1901". Als deren Nachfolger sieht sich der OFC heute.



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