Exklusiv-Interwiev mit Markus Babbel für OFCE.de

Markus Babbel (geb. 1972 in München) begann seine Laufbahn in der Jugend des FC Bayern München. In der Bundesliga kam er auf Einsätze für die Bayern, dem HSV und dem VfB Stuttgart. Mit den Bayern gewann 4x die Meisterschaft, 2x den DFB-Pokal und den UEFA-Pokal. 2000 wechselte er zum FC Liverpool und den Blackburn Rovers. 2004 kehrte er nach Stuttgart zurück und gewann zum Abschluss seiner Karriere 2007 die Meister-schaft.
Als Nationalspieler brachte er es auf 51 Einsätze. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Europameisterschaft 1996. Als Trainer war er für den VfB Stuttgart tätig, ehe er 2010 Hertha BSC in der 2. Liga übernahm und den Aufstieg schaffte.






"Ich mag keine Luftschlösser"


OFCE.de: Herr Babbel, Herzlich Willkommen in Oberhavel. Sie sind ja noch nicht lange in unserer Region aktiv. Haben Sie schon ein-mal was von Oranienburg oder ihrem Gegner, den Oranienburger FC Eintracht gehört?
Markus Babbel: Zunächst einmal weiß ich, dass Oranienburg eine der 22 Partnerstädte von HERTHA BSC ist und im Norden von Berlin liegt. Und dann weiß ich, dass dort Frank "Wuschi" Rohde mal Trainer war. Aktuell habe ich allerdings kaum Informationen.

OFCE.de: Die Mission Aufstieg wurde eindrucksvoll erfüllt, Ihr Team steht aktuell im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga. Wo kann die Reise in dieser Saison noch hingehen?
Markus Babbel: Wichtig ist für uns, dass wir als Aufsteiger so viele Punkte sammeln, damit wir auch in der kommenden Saison erst-klassig spielen können. Ich bin ein Freund von realistischen Zielen, ich mag keine Luftschlösser.

OFCE.de: Großes Ziel aller Bundesliga-Clubs ist - sportlich und wirtschaftlich - die internationale Bühne. Wann wird ihr Team soweit sein und woran fehlt es aktuell noch, um Hertha BSC in der Europa-League zu sehen?
Markus Babbel: Wie gesagt, realistische Ziele sind mir wichtig. Träumereien gab es bei Hertha BSC genug in all den Jahren der Ver-gangenheit. Michael Preetz, unser Manager, und ich stehen da jetzt für einen neuen Weg bei Hertha BSC. Und den nehmen uns alle Fans auch ab.

OFCE.de: Oft werden Freundschaftsspiele gegen kleinere Clubs als "lästige Pflichtaufgabe" angesehen. Werden Sie trotzdem mit dem besten Aufgebot antreten, oder bekommen Ergänzungsspieler eine Einsatzchance?
Markus Babbel: Das kann ich Ihnen noch nicht beantworten. Fakt ist, dass wir als Fußball-Bundesligist kommen. Und das jeder Spieler, auch die Ersatzspieler, Mitglieder unseres Bundesligakaders sind.

OFCE.de: Im Sommer ging es im ausverkauftem Olympiastadion gegen Real Madrid. Kürzlich vor 80 000 Zuschauern gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund. Wie motivieren Sie sich und ihre Spieler nun für solch eine Partie, wie gegen den OFC?
Markus Babbel: Fußball ist nicht nur unser Beruf, es ist auch immer ein Stück Spaß. Insofern freuen wir uns auf jedes Spiel.



 "Man muß immer ehrlich und gerade bleiben,  seine Arbeit immer zu 100 Prozent erledigen"


OFCE.de: Sie sind eine bekannte und erfolgreiche Persönlichkeit im deutschen Fußball. Was sind für Sie die schönsten, und welche die weniger angenehmen Seiten als Bundesliga- bzw. Nationalspieler, oder als Profitrainer?
Markus Babbel: Bekanntheit und Öffentlichkeit waren nie ein Kriterium für mich, meinen Beruf auszuüben. Das war als Spieler so, als Trainer ist es nicht anders. Ich mag es einfach, mit einer, mit meiner Mannschaft zusammen zu arbeiten und jeden Einzelnen jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Unangenehme Seite? Vielleicht die Tatsache, dass heutzutage jeder Schritt, den wir machen, von den Medien beobachtet und bewertet wird.

OFCE.de: Bundesligatrainer kann ja auch ein schnelllebiger Job sein. Was muss man mitbringen, um in diesem Bereich erfolgreich zu sein und im Geschäft zu bleiben? Was zeichnet einen erfolgreichen Fußballtrainer heute aus?
Markus Babbel: Man muß immer ehrlich und gerade bleiben, seine Arbeit immer zu 100 Prozent erledigen. Und man muss immer ein Ohr für die Spieler haben.

OFCE.de: Wie hat sich der Profifußball von Ihrer Zeit - zu der heutigen verändert, auf und neben dem Platz?
Markus Babbel: Er ist viel, viel schneller geworden. Und manchmal sind Dinge, die neben dem Platz passieren, einfach zu wichtig. Dabei ist doch nur eines wichtig: Das Runde muss ins Eckige!

OFCE.de: Im Profifußball können junge Spieler schnell viel Geld verdienen. Wo viel Licht ist, ist meist auch Schatten. Wie darf sich ein Außenstehender die Arbeit eines Bundesligatrainers im Alltag vorstellen? Was empfinden Sie als negative Seiten ihres Jobs?
Markus Babbel: Fußballtrainer, zumal bei einem Traditionsverein wie Hertha BSC, ist ein absoluter Traumjob.

OFCE.de: Sie waren Deutscher Meister, DFB-Pokal- , Liga-Pokal- und Europäischer Supercup-Sieger. Europameister und mit Liverpool UEFA-Pokal- Sieger. Welche Momente in ihrer Karriere blieben in schönster Erinnerung?
Markus Babbel: Alle Titel, die ich in meiner Karriere geholt habe, gehören zu meinen Highlights. Ich möchte keinen davon missen.

OFCE.de: Wo liegen die Hauptunterschiede in einem Fußballer-Leben in Deutschland und in England?
Markus Babbel: In England geht es mehr um den Ball an sich. In Deutschland geht es mir oft - wie schon gesagt - zu viel um das Drumherum. Ein Beispiel: In Deutschland sind beim Training täglich, oft zweimal, viele Medienvertreter dabei, in England ist dies nur einmal im Monat Usus. In England kann man als Spieler oder Trainer viel ruhiger arbeiten.



Herr Babbel, wir bedanken uns für Ihre ehrlichen Worte und den Einblick, den Sie uns ermöglichten.
Weiterhin viel Erfolg in Ihrer Arbeit.




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